ICH & DU und Fraunhofer Institut erhalten gemeinsam Förderung!

Innovationsprogramm Pflege 2019 des Landes Baden-Württemberg

Freiburger Ich und Du Pflege erhält Förderung

Stuttgart / Freiburg, 15.3.2019 - Das Ministerium für Soziales und Integration hat 15 innovative Projekte veröffentlicht, die 2019 vom Land Baden-Württemberg im Rahmen des Innovationsprogramms Pflege gefördert werden. Darunter ist auch die Ich und Du Pflege aus Freiburg, die das holländische Buurtzorg-Modell nach Deutschland bringt. Das Projekt wird vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation begleitet. ICH & DU hat nun gute Bedingungen für eine bessere Pflege und wertschätzende Arbeitsbedingungen für seine Pflegekräfte. 

 Seit zwei Jahren arbeiten die Pflegekräfte von Ich und Du bereits in Selbstorganisation. In vier Teams pflegen 22 Alten-, Kranken- und Gesundheits- und Krankenpfleger*innen ihre Kunden zu Hause. Hierbei sind sie in der Gestaltung ihrer Zusammenarbeit weitestgehend frei. Unterstützt werden sie von einer Zentrale, die ihnen in administrativen Fragen den Rücken freihält. Dabei sind alle Mitarbeiter*innen bei Ich und Du fest angestellt. 

 Im Zentrum der Arbeit steht nicht die reine Körperpflege oder Wundbehandlung, sondern der ganze Mensch. Förderung von Selbständigkeit der gepflegten Menschen und deren Einbindung in das soziale Leben sind somit neben der klassischen Pflege und der Vernetzung mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens (Ärzten, Therapeuten etc.) die vorrangigen Aufgaben der Pflegekräfte. 

 Bislang besteht für diese Arbeit nur wenig Spielraum. Eine Abrechnung erfolgt nach Modulen und Leistungsgruppen mit engen Vorgaben. Wenn eine Pflegekraft z.B. das selbständige Anziehen von Stützstrümpfen üben will oder der Nachbarin, die abends vorbeikommt, das Ausziehen beibringt, wird dies nicht vergütet. Dabei spart es langfristig dem Gesundheitswesen viel Geld und sorgt zu mehr Zufriedenheit bei allen Beteiligten. Dies zeigt Buurtzorg in Holland seit 14 Jahren. 

 Durch die Förderung ändert sich dies nun! Auch bislang haben sich die Pflegekräfte mehr Zeit genommen, was auch dadurch möglich wird, dass Ich und Du keine Gewinne erzielen möchte. Durch die Förderung stehen jetzt genügend Ressourcen zur Verfügung, um die Pflege systematisch so durchzuführen, dass die Bedürfnisse der Menschen wirklich im Zentrum stehen. Dies erfordert Gespräche, Vernetzung, Einbindung und somit immer: Zeit. Diese steht durch die Förderung nun für zwei Jahre zur Verfügung. 

 Mittel- und langfristig wird insgesamt eine Zeitvergütung angestrebt, wie dies in den Niederlanden inzwischen üblich ist. Die Kosten für das Gesundheitssystem werden dadurch sinken und dem Pflegenotstand wird ebenfalls entgegengewirkt, da die Pflegekräfte versuchen, sich so weit wie möglich überflüssig zu machen. Die Untersuchung dieser Effekte ist auch Teil des geförderten Projektes. 

 

Das Fraunhofer-Institut IAO in Stuttgart beschäftigt sich mit aktuellen Fragestellungen an der Schnittstelle Mensch, Organisation und Technik. Das IAO hat in den letzten Jahren verschiedene konkret umsetzbare Lösungen für die Altenhilfe erarbeitet. Die Schwerpunkte liegen in der Versorgungskonzeption, Technikeinsatz zum Erhalt der Selbstständigkeit und der Organisationsentwicklung.